22.07.2007 Hurra der Thimbu ist da ...

Hallo liebe ILT-Leser,

auch ich möchte mich wieder mal nach langer Zeit zu Worte melden. Da ich als „Arbeitshund“ mit meinem Frauchen wieder mal versetzt wurde, mussten wir den Stress erst mal verdauen. Zu unserem Nachteil kommt leider auch noch, dass der neue Arbeitsplatz mit einer längeren An- und natürlich auch Heimfahrt verbunden ist. Freizeit ist damit noch knapper geworden. Und nun sind wir schon beim richtigen Thema: FREIZEIT!

Mein Frauchen versucht immer, egal was kommt, mir und meinen Bedürfnissen gerecht zu werden. Also wenn wir abends nach Hause kommen gönnt sie mir immer ein Stündchen Auszeit, vor allem im Sommer, damit ich mich etwas erholen kann. Dann nimmt sie mein Halsband und klimpert leise mit den Hundemarken, die daran befestigt sind. Das ist für mich das Zeichen zum Aufbruch. Aufbruch zum Abendspaziergang. Meine Heimat Nittenau ist ein kleines Städtchen in der Oberpfalz, idyllisch gelegen im Regental, ca. 30 km nördlich von Regensburg. Nicht weit von unserem Zuhause, liegt ein wunderschönes Wiesengebiet umschlungen vom Fluss Regen. Das Regenknie. Das ist unser tägliches Ziel, sobald und so lange uns das Tageslicht dies erlaubt. Wir marschieren da immer auf unseren sechs Pfoten hin. Da wir beide recht flink sind, ist das kein Thema. Wenn es zeitlich knapp oder sehr heiß ist fahren wir auch mit dem Auto dort hin, mitten hinein. Immer findet Frauchen neue Wege, mal hier rum, mal da rum, mal gerade aus. Mal sind wir ganz alleine unterwegs, jedoch finden wir auch immer mal wieder Gesellschaft von anderen Artgenossen und deren Besitzer, allerdings auch solchen, denen wir lieber aus dem Weg gehen. Manchmal ist allerdings eine Konfrontation nicht zu vermeiden. Aber meine Rudelführerin versteht es inzwischen ganz gut, mich zu beschützen. Ein scharf und hart gerufenes: „Hau ab“ wirkt meistens schon. Wenn nicht fliegt dem aggressiven Kerl auch noch der komplette Schlüsselbund vor die Pfoten. Nun können Sie verstehen, dass ich mich gut und gerne auf die Begegnung der besonderen Art einlasse.

Also zur Begegnung der besonderen Art: ich liebe Wiesen, ob lang gewachsen oder ganz kurz gemäht. In den hoch gewachsenen hopple ich wie ein Springbock. Ja ich darf da rein. Mein Frauchen hat zu den Landwirten einen guten Draht und ich erledige mein „Geschäft“ ordentlich am Rand. Also auch diese können über meine Sprünge lachen. Aber toll sind auch die kurz gemähten Stücke. Unendlich lang und unendlich breit. Waren Sie schon auf einer frisch gemähten Wiese, auf der womöglich auch noch das gemähte Gras liegt? Der Duft ist überwältigend, einfach spitze! An diesem Abend kamen wir an solch eine Wiese. Ich freudestrahlend da rein, mit der Nase dicht am Boden, damit ich den Duft so richtig in mich aufnehmen kann. Eine wahre Wohltat, nach dem Büromief. Aber heute war etwas anders als sonst. Mein Frauchen blieb am Wegrand stehen, das ist sonst nicht ihre Art. Auch sie liebt den Duft und läuft gerne auf dem ganz kurzen Gras. Aber noch was ist heute anders als sonst. Es bewegen sich in einiger Entfernung zwei Gestalten. Größer als ich, schätze ich, aber kleiner als Frauchen. Ich bin doch etwas unsicher, nehme meinen Schwanz vorsichtshalber mal auf „Halbmast“. Frauchen versteht das sicher. Die rührt sich aber nicht vom Fleck. Ich schnüffle mal weiter, ignoriere die Gestalten auf zwei ganz dünnen, langen Beinen. Frauchen ruft mich nicht, noch bewegt sie sich. Komische Sache! Ich schnüffle mal weiter, so lange meine Chefin dort so ruhig und gelassen steht, ist keine Gefahr in Verzug. Die komischen Gestalten bewegen sich langsam in meine Richtung, ha aber ich weiche nicht zurück. Mit dem Blick fest auf die schönen Heuhäufchen, Nase rein, ich sehe euch einfach nicht. Nichts hören, nichts sehen, ich will nichts Böses! Hoffentlich verstehen die das auch. Außerdem ist das meine Wiese. Wie Spielkameraden seht ihr aber nicht aus. Ich weiche nicht, aber ganz sicher bin auch nicht. Frauchen ist noch immer ruhig und gelassen. Also meine Wiese, weiter schnüffeln und genießen. Plötzlich erhebt sich eine der Gestalten in die Luft. Mann, oh Mann die Gestalt ist viel größer als ein normaler Vogel und steuert direkt auf mich zu. Nun reagiert endlich auch Frauchen, geht langsam, ganz ruhig und gelassen in meine Richtung. Die Gestalt bricht ihren Flug ab und landet etwa 10 m von mir entfernt. Anschließend stelzt sie weiterhin gemütlich über die Wiese und schnüffelt auch gelegentlich wie ich im kurzen Gras. Ach die Wiese ist groß, ich finde wir haben alle Platz und Frauchen ist nun viel näher bei mir. Meter um Meter schnüffle ich mich durch die ganz Wiese, die beiden komischen Gestalten auch und Frauchen streckt auch ihre Nase in die Luft. Feiner würziger Duft, viel gute frische Luft, Entspannung pur! Man ist das toll hier! Frauchen peilt den „Trampelpfad“ im hohen Gras an. Ich immer möglichst ihr nach, aber nicht zu nah, bin schließlich ein selbstbewusster Tibet-Terrier. Plötzlich erheben sich die beiden langbeinigen Gestalten am anderen Ende der Wiese in die Luft und fliegen davon, zum Turm in der Kläranlage in der Nähe. Dort landen sie und klappern mit ihren Schnauzen, ganz laut. Ich gucke Frauchen ganz fragend an. „Das sind keine Schnauzen, Thimbu, das sind Schnäbel und die beiden langbeinigen Gestalten waren Störche. Die haben dort drüben auf dem Turm ihr Nest und waren auf Futtersuche für ihre Kinder. Außerdem bringen die Störche die kleinen Menschen-Babys“, erklärt mir mein Frauchen. „Aha, du bist also auch so was wie meine Mama, aber die Futterbereitstellung ist bei dir viel besser organisiert, als bei den Störchen, denn mein Futter steht jeden ersten Freitag im Monat in Dosen verpackt vor unserer Wohnungstür. Also weißt Du was, ich bleibe lieber bei dir, schon wegen der besseren Organisation und Futterversorgung, Storchenkinder sind echt arme Tröpfe. Und das mit den Menschenbabys, also ich weiß nicht, erzählst du mir da nicht ein Märchen……….?“ Anschließend bin ich durch das hohe Gras neben des „Trampelpfades“ zu unserm Auto getobt und das hat mich dann ganz praktisch nach Hause getragen. Nach Hause zu meinem gut gefüllten Futterteller und zu meinem Balkon und später auf meine Couch und nicht so in ein doofes Nest auf einem Turm, brrrrr.

Die nächsten Tage sind wir bei unserem Abendspaziergang immer wieder diesen komischen Gestalten, genannten Störchen begegnet. Wir haben uns tagtäglich immer friedlich eine frisch gemähte Wiese geteilt. Vater oder Mama Storch auf der einen Seite der Heuhäufchen, ich auf der anderen. Mein Schwanz war natürlich immer in Stellung „Topmast“. Was sonst, gibt doch keine Probleme mit der Begegnung der besonderen Art! Nix wird mit den armen Teufeln „Fangerless“ gespielt, das mach ich lieber mit meinen Artgenossen, die ihr Futter auch von Frauchen und Herrchen serviert bekommen. Ich bin doch ein schlauer Tibet-Terrier und kein Tölpel.

Tja und wenn ich dann auf meine Artgenossen treffe, darf ich auf Kommando von Frauchen freudestrahlend meinen Freunden, Steffi, Flori, Luna, Spicky, Sophie, Biene, Nico, Lucy, Rocky, Sandy, Carlo, Eno und Mandy entgegen eilen. Auch deren Hundeführer begrüßen mich freudestrahlend, vielfach mit Leckerli. Frauchen sagt immer, bei mir würde sogar der Schwanz lachen, na klar in diesem Falle sieht sie mich nur von dieser attraktiven Seite. Ja und dann kann es spät werden, sehr spät, manchmal stockdunkel bis wir nach Hause gehen.

 

Als weitere Freizeitbeschäftigung machen wir nach wie vor Agility. In 2006 war ich auf drei Turnieren der Bayerischen Vereinsmeisterschaft. Wir sind für den Hunde Spiel- und Sportverein Weiden e.V. gelaufen und konnten ein paar Pünktchen für die Mannschaftswertung (5. Platz im Gesamtergebnis von 18. Mannschaften) und für uns persönlich einen 2. und 3. Platz ergattern. Da wir unseren Sport nur freizeitmäßig, mit einem Training zweimal wöchentlich betreiben und nur an diesen drei Turnieren teilgenommen haben, meint mein Frauchen sei dies eine ganz tolle Leistung für uns zwei. Zumal Frauchen eine ziemlich blutige Anfängerin in diesem Sport ist. Deshalb laufen wir natürlich auch immer wieder eine Dis (daran hat immer Frauchen Schuld). Aber Frauchen sagt, das macht nix, dabei sein sei schließlich alles. Dieses Jahr konnte ich beim 2. Lauf der Bayerischen, mein 5. Turnier insgesamt, sogar schon einen 0-Fehler-Lauf hinlegen.

Nun sehe ich noch einem hoffentlich schönen, langen Sommer auf „meinen“ Wiesen entgegen. Dann kommt der Herbst und in den vielen bunten Blättern zu rascheln ist auch nicht übel. Aber davon und mehr erzähle ich nächstes Mal.

Wenn Sie das Journal in Händen halten steht eine besondere Jahreszeit vor der Tür. Da wachsen nämlich Tannenbäume sogar im Wohnzimmer. Und dann gibt es Geschenke, kleine Leckereien in buntes Papier gepackt. Darauf freue ich mich immer sehr. Ich wünsche Ihnen allen und auch meinen Tibi-Kumpels viel, in buntes Papier, Gepacktes, schöne Tage, viele sonnige Schneespaziergänge und dann hoffentlich einen ziemlich geräuschlosen Jahreswechsel, die Knallerei ist nicht mein Fall.

  Wau wau Thimbu von Paru aus Nittenau

 

PS von Thimbu`s Frauchen Tilly Schmid

Ich danke meinem Herrgott täglich für das wunderbare Geschöpf, welches ich seit 2002 an meiner Seite habe. Das Thimub nun mal der Thimbu ist, fröhlich und sehr selbstbewusst habe ich vor allem meiner sehr liebevollen Züchterfamilie Breindl aus Neumarkt zu verdanken. Das wir so ein tolles Mensch-Hund-Team geworden sind verdanken wir unserer Trainerin Doris Leopold (www.hundeleo.de). Sie hat mir bei Ihrem individuellen Training nie Methoden aufgedrängt, die ich nicht wollte. Deshalb ist Thimbu manchmal etwas vorlaut. Wie sein Frauchen eben auch. „So wie der Herr (in diesem Fall die Frau) so`s G`scherr.“ Aber manchmal ist es auch ganz gut, dass wir beide eine große Klappe haben

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